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Wir sind auf Tour! Mit Mahlers 5. Sinfonie und Mendelssohns Violinkonzert startete am 13. Februar die Gastspielreise des Gürzenich-Orchester mit Stationen in Turin (13.02.) Budapest (15.02.) Zürich (16.02.) und Wien (18.02.). Mit dabei: Die Violinistin Isabelle Faust und Gürzenich-Kapellmeister François-Xavier Roth. Reisen Sie mit uns und folgen Sie hier unserem Tourneeblog.

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Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Das gilt für den Fußball, und das gilt für das Kölner Gürzenich-Orchester. Gerade eben sind die letzten Töne von Mahlers 5. Sinfonie in der Philharmonie verklungen, da wird auch schon gepackt. Das gestrige Konzert mit Isabelle Faust wurde unter GO Plus als Livestream übertragen, und jetzt rollt das Kamerateam seine Kabel ein und packt die Kameras weg. An der Laderampe steht der LKW bereit für die Instrumente, die von der Bühne weg verladen werden. Noch in der Nacht startet der Transport auf seine 900 Kilometer lange Fahrt nach Turin. Dort findet schon am Mittwoch im Auditorium Gianni Agnelli das erste Konzert statt, und zum Aufbau um 15:00 Uhr soll der LKW natürlich rechtzeitig dort sein.

Für Isabelle Faust, unsere Musiker und Gürzenich-Kapellmeister François-Xavier Roth ist die Nacht kurz, denn Morgen früh um 10:00 Uhr wartet die Chartermaschine am Kölner Flughafen. Vier Konzerte in sechs Tagen mit den Stationen TurinBudapestWien und Zürich.
Neben Mendelssohns Violinkonzert spielt das Gürzenich-Orchester die 5. Sinfonie von Gustav Mahler. Er selbst dirigierte 1904 im Kölner Gürzenich die Uraufführung, nachdem er schon von der Aufführung der 3. Sinfonie so angetan war vom Kölner Orchester. François-Xavier Roth hat es sich zur Aufgabe gemacht, das große Erbe seines Orchesters in der Welt bekannt zu machen. Dazu zählen so bedeutende Werke wie „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ von Richard Strauss oder das Doppelkonzert von Johannes Brahms, die ebenfalls beide mehrfach das Orchester dirigierten. JW

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"Isabelle Faust ist eine ungaubliche Solistin. Sie ist zum ersten Mal bei uns zu Gast und schon jetzt ist sie ein wichtiger Teil der Gürzenich-Familie." François-Xavier Roth

(c) Holger Talinski
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Zwei Maestri - ein Orchester

In einem Land, das zwei Päpste in friedlicher Koexistenz beherbergt, ist auch ein solches Zusammentreffen möglich: James Conlon, der 11. Gürzenich-Kapellmeister und im Amt von 1990 bis 2002, gratuliert dem amtierenden 13. Gürzenich-Kapellmeister François-Xavier Roth zum gelungenen Tourneeauftakt. Es gab ein fröhliches Wiedersehen hinter der Bühne mit viel Vorfreude auch auf Seiten des Orchesters: Kehrt doch James Conlon im April zum 8. Sinfoniekonzert zu „seinen“ Kölner zurück und dirigiert die „Leningrader Sinfonie“ von Dmitrij Schostakowitsch.

Conlon and Roth (c) Holger Talinski

#2 Budapest

Budapest ist eine brodelnde Musikstadt. An jeder Ecke erinnern Gebäude und Statuen an berühmte Kinder der Stadt. Franz Liszt gründete hier die Königlich-Ungarische Musikakademie, die seit 1925 unter dem Namen Franz-Liszt Musikakademie firmiert und mit rund 900 Studierenden die größte Musikschule Ungarns ist. Béla Bartók hat hier von 1908 bis 1934 gelehrt. Komponisten wie György Kurtág und Peter Eötvös haben hier ihr Handwerk gelernt.

Aber auch Gustav Mahler hat in Budapest Geschichte geschrieben. Und so ist unser Gastspiel in Budapest auch eine Spurensuche. Von 1889 -1891 hat Gustav Mahler das Königlich-Ungarische Opernhaus in Budapest geleitet. Seine 1. Sinfonie hat er 1889 im Vigado uraufgeführt. Wenige Jahre später fand er in Köln seine künstlerische Heimat. Die Uraufführung seiner Dritten (1902) und Fünften (1904) Sinfonie hat er dem Gürzenich-Orchester anvertraut.

#3 Zürich

Da sich die berühmte Zürcher Tonhalle am See von 2017 bis 2020 im Umbau befindet, findet das dritte Konzert unserer Tournee in der Tonhalle Maag, einem für das Tonhallenorchester geschaffenen Ausweichquartier statt. Mit Interim kennen wir uns aus, schließlich spielt das Orchester derzeit in ehemaligen Messehallen in der ausgelagerten Kölner Oper . Die Tonhalle Maag erinnert auf den ersten Blick an eine finnische Sauna. Der gesamte Saal ist mit Fichtenholz ausgekleidet. An der Decke findet man flexible Holzpaneele, über die der Klang im Inneren des Saales ausgesteuert werden kann. Im Grunde wurde hier ein Raum in einen Raum gebaut. Denn die „Sauna“ wurde mitten in eine alte Fabrikhalle gesetzt. Verantwortlich für den Klang ist der Akustiker Karlheinz Müller, den man auch gern als die europäische Konkurrenz zu Yasuhisa Toyota (u. a. Elbphilharmonie Hambur und Pierre-Boulez-Saal Berlin) bezeichnet.
In der Anspielprobe wollen wir einen ersten Eindruck bekommen. Skepsis macht sich breit. Die Bühne ist sehr klein. Eine Mahler-Besetzung muss hier wirklich aufs Engste zusammenrücken. Hier also sollen wir Mendelssohn und - schlimmer noch - Mahlers 5. zum Klingen bringen?

Was dann passiert ist schier unglaublich. Das Konzert im fast ausverkauften Saal beginnt und bereits nach den ersten Tönen des Violinkonzerts spürt man eine angenehme Unmittelbarkeit im Klang, die vor allem in der zweiten Konzerthälfte (Mahlers 5. Sinfonie) Kraftstrotzend daherkommt. Der Saal ist ein sympathischer Draufgänger und bringt Klänge hervor, die wir an anderen Orten vielleicht so noch nie gehört haben. Und so haben wir auch in Zürich, wo wir eher vergeblich nach Spuren von Gustav Mahler suchen, etwas über diesen großen Komponisten gelernt.

#4 Wien

Wien ist die letzte Etappe unserer Gastspielreise. Da es das Konzertprogramm in sich hat und die vielen Transfers nur wenig Zeit zum Ausruhen bieten, freuen sich alle über einen freien Tag vor dem Abschlusskonzert im Konzerthaus. Im Foyer des Hotels ist es umtriebiger als gewöhnlich. Familientreffen. Die Österreicher im Orchester freuen sich, ihre Familie wiederzusehen. Und auch darüber hinaus haben viele der Musikerinnen und Musiker Freunde in der Stadt. Das Wiedersehen wird bei Apfelstrudel, Schnitzel oder Backhendlsalat gefeiert. 

Ein bisschen Sightseeing darf nicht fehlen. Wie schon in Budapest finden wir auch hier Spuren Gustav Mahlers. In der Auergasse 2, unweit des Konzerthauses, hat Gustav Mahler von 1898 bis 1909 gelebt und gearbeitet. In dieser Zeit sind auch seine Sinfonien 3 und 5 entstanden, die er schließlich mit an den Rhein brachte, um sie dort zur Uraufführung zu bringen. Ein bisschen stolz ist man schon. Aber Geschichte ist das eine. Das andere ist, was man daraus macht.

Im Wiener Konzerthaus war das Gürzenich-Orchester bereits häufiger zu Gast. Mit François-Xavier Roth ist es allerdings unsere Premiere. Und bereits vor dem Konzert munkelt man, dass ein besonderer Gast im Publikum sitzen soll. Sir Simon Rattle. Er ist mit dem London Symphony Orchestra in der Stadt und wird einen Tag nach uns ein Konzert im Musikverein geben. Roth und Rattle pflegen eine intensive Freundschaft. Aber dass sie beide am selben Tag in Wien sind, haben sie nur zufällig herausgefunden. Also auch im Konzert Familientreffen. Und Rattle lässt es sich nicht nehmen, auf der traditionellen Abschlussfeier der Tournee einige Worte an das Orchester zu richten. „Bravo, Bravo, Bravo!“